Interview: Club Mobil Gründerin Edith Grünseis-Pacher über die Belastungen für Menschen mit Behinderung in Sachen Mobilität.

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Edith Grünseis-Pacher ist seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen, hat sich 1993 auf Mobilität mit Handicap spezialisiert und kurze Zeit später den CLUB MOBIL gegründet. Neben ihren weltweit einzigartigen Initiativen im Rahmen des CLUB MOBIL veröffentlicht sie Bücher und Studien und hält verschiedene Vorträge.

Frage: Frau Grünseis-Pacher, sie kämpfen mit Ihrem Club Mobil schon seit knapp 30 Jahren für die individuelle Mobilität von Menschen mit Behinderung oder altersbedingten Beeinträchtigungen, bieten Fahrsicherheitskurse und Fahreignungsüberprüfungen, sind als gerichtlich beeidete Sachverständige im Einsatz und stehen jährlich tausenden von Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite. Ein Kampf gegen Windmühlen?
Grünseis-Pacher: Glücklicherweise nicht nur, weil wir, gemeinsam mit anderen Unterstützer:innen auch schon viel erreicht haben. Aber vieles zieht sich auch über Jahre und Jahrzehnte, und manche Hürden scheinen auf ewig unüberwindbar, vielleicht weil der politische Wille und das Problembewusstsein fehlen.

Frage: Das Autovolksbegehren will nun eine Senkung der Steuern und Abgaben erreichen, ein Thema, das sicher auch Menschen mit Behinderung stark betrifft.
Grünseis-Pacher: So ist es. Die finanziellen Herausforderungen sind meist enorm, weil es auch beim Wohnen und in der Mobilität Umbauten braucht, die zum Teil zwar gefördert werden können, aber die Wege oft länger dauern und beschwerlicher sind. Die hohe Mineralölsteuer und die neue CO2-Bepreisung schlagen jedoch ordentlich durch, da es außerhalb von Großstädten keine Möglichkeit gibt, ohne Auto mobil sein zu können.

Frage: Von der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer sind Menschen mit Behinderung ja wenigstens befreit.
Grünseis-Pacher: Letzteres stimmt uneingeschränkt, das mit der NoVA hat nur leider einen Haken. Nicht alle Menschen mit Behinderung können sich einen Neuwagen leisten, und bei einem Gebrauchten bekommt man die NoVA nicht mehr weg, wenn nicht schon der erste Käufer von dieser befreit war. Die Last ist also groß, und eine Reduktion um die geforderten 25 Prozent wäre schon ein wichtiger Schritt.

Frage: Eine Forderung ist auch jene nach einer vernünftigeren Parkraumbewirtschaftung, derzeit fühlen sich viele von Gebühren abgezockt und haben das Gefühl, dass bei der Regelung des so genannten ruhenden Verkehrs viel Unruhe gestiftet wird. Wie steht es denn um das Regelwerk für Menschen mit Behinderung?
Grünseis-Pacher: Die Befreiung von den Parkgebühren ist gut geregelt, Behindertenparkplätze sind aber immer noch Mangelware, zumal seit einigen Jahren nicht nur Menschen mit Rollstuhl und Gehbeeinträchtigung auf den breiten Parkplätzen stehen bleiben dürfen, sondern alle, denen die Benützung eines Öffis nicht zumutbar ist.

Frage: Zurück zum Volksbegehren: Werden Sie unterschreiben?
Grünseis-Pacher: Das habe ich längst, weil ich es eine wirklich gute Sache finde. Und ich rufe auch alle Menschen zur Unterschrift auf, werde auch meine Community mobilisieren und wünsche der Mission viel Erfolg. Die geforderten Maßnahmen sind allesamt vernünftig, und eine Kostenentlastung wäre wichtig, vor allem auch für jene, die als Pendler:innen oder für Arzt- und Therapietermine oft doch auch sehr weite Wege zurücklegen müssen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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